Grüne Chemie geht!

(AG) Grüne Chemie wird funktionieren müssen, wenn wir unsere Klimaziele erreichen wollen, so kann man das Ergebnis der Veranstaltung “Stimmt die Chemie” von der Landesfachgruppe Wirtschaft des Landesverbandes Sachen Anhalt von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN kurz zusammenfassen.

 

Anwesende im Podium waren: Prof. Dr. Uwe Lahl (TU Darmstadt und University of Indonesia), Hilmar Tiefel – Geschäftsführer Crystalox GmbH, Christoph Erdmenger – Wirtschaftspolitischer Sprecher der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Wolfgang Blümel – Verband der Chemieindustrie Landesverband Nordost. Der angekündigte weitere Gast Matthias Gabriel – Geschäftsführer Chemiepark Bitterfeld -Wolfen sowie Wirtschaftsminister a.D. hatte die Veranstaltung gleich zu Beginn aus persönlichen Gründen verlassen.

Die Chemieindustrie ist der zweit größte Wirtschaftszweig in Sachsen Anhalt und somit ein zentraler Bestandteil beim Umbau der Wirtschaft hin zur Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit bedeutet für die Chemieindustrie sparsamer Ressourceneinsatz und sparsamer Umgang mit den Erzeugnissen der Chemieindustrie. Und gerade da liegt ein Zielkonflikt vor. Die Industrie ist bestrebt, dass viele der angebotenen Produkte verbraucht werden – ein sparsamer Einsatz der Erzeugnisse liegt somit nicht im originären Interesse der Industrie.

Anders verhält es sich mit den eingesetzten Rohstoffen und der Energie. Da die Chemieindustrie im Wettbewerb liegt ist es das originäre Interesse der Industrie so wenig wie möglich Energie und Rohstoffe einzusetzen um die Kosten entsprechend zu verringern.

Die Umweltstandards in Deutschland werden nicht als Standortnachteil angesehen, sondern bedeuten vielfach ein Vorteil. Die “gesunde” Umwelt ist nach Aussagen des Vertreters der VCI ein wichtiger weicher Standortvorteil, genauso wie soziale Kompetenz der Mitarbeiter. Nicht weniger wichtig ist die zuverlässige Stromversorgung. Und genau diese Faktoren sind es, die Deutschland trotz mancher Nachteile für die Chemieindustrie so interessant macht. Da gerade diese Faktoren in den Billiglohnländern vielfach nicht garantiert werden können.

Auf dem Weg zu einer grünen Chemie sind der Ersatz des Kohlenstoff und die Umsteuerung weg vom Kohlenstoff wichtige Faktoren. In vielen Bereichen kann derzeit nicht auf Kohlenstoff als Grundlage verzichtet werden – Stichwort Entcarbonisierung der Industrie. Wichtigster Lieferant ist derzeit das Öl.

Um die Klimaziele zu erreichen, also den Ausstoß von CO2 zu minimieren oder zu vermeiden, muss in Zukunft Kohlenstoff substituiert werden. Weitere Möglichkeiten, die wir als Grüne nicht befürworten können, ist die Substitution in Form von Braunkohle oder das Verpressen von CO2 (CCS).

Hintergrund der Frage nach Substitution ist die Annahme des weniger werden Öl’s. Die Chemieindustrie erkennt aber zum großen Teil nicht an, dass die Öl Reserven weniger werden. Vielfach wird auf die weitere Erschließung von unkonventionellen Vorkommen gesetzt (z.Bsp. Fracking). Auch hier können wir Grüne nicht für die Erschließung sein.

Deshalb benötigen wir Anreizsysteme für den Einsatz von Biomasse als Rohstoff und Mehr Forschung im Bereich der Biomassesubstitution. Wir müssen durch gezielten Einsatz von Forschungsgeldern für einen Wissenschaftlichen Sprung in diesem Bereich sorgen.

Beim Einsatz von Biomasse müssen nach dem derzeitigen Stand der Technik mindestens das Problem des Transportes und die Konkurrenz zum “Teller” gelöst werden. Ein erster Schritt kann es sein, organische Reststoffe vernünftig zu verwerten, z.B. durch die Nutzung von Abfall oder Restgrünschnitt.

Die derzeitige Hauptressource Öl kann mit unterirdischen Leitungen transportiert werden. Biomasse müsste derzeit mit dem LKW oder der Bahn als Güter transportiert werden.

Um das Problem mit der Konkurrenz zum “Teller” zu lösen muss die Produktion von Biomasse gesteigert werden ohne eine Vermaisung zu fördern. Nur eine Verwendung Biomasse – “Abfällen” wird nicht reichen. Die Aufteilung der Biomasse muss strategisch und politisch erfolgen, insbesondere muss sichergestellt werden, dass die ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln weltweit gesichert wird. Der Markt wird es an dieser Stelle nicht selber erreichen können.

Hier heißt es für uns Grüne Antworten zu finden.

Wir müssen für die Zukunft zeigen:

  • wie wir eine verlässliche Energieversorgung sicherstellen können
  • wie wir soziale Stabilität in Deutschland erhalten wollen
  • wie wir Umweltstandards definieren, ohne die Industrie zu stark zu belasten
  • wie wir Entscheidungen der Politik auch über eine Legislatur hinaus verlässlich definieren
  • wie wir die Ressource Biomasse ausreichend zur Verfügung stellen wollen
  • wie wir die effiziente Nutzung der Produkte der Industrie sicher stellen wollen

Auf einige der Fragen, wie die Energieproduktion oder Soziale Standards, haben wir bereits Antworten geliefert. Der Rest wird und muss folgen….

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